|
Literatur und Forschungsarbeiten über Noma sind heute nur sehr begrenzt vorhanden. Angesichts der prekären Gesundheitssysteme der von dieser Krankheit betroffenen Länder, sind zudem auch keine genauen Statistiken über die Anzahl der Fälle verfügbar. Die Verteilung der jährlichen neuen Fälle zeigt, dass klimatische Faktoren eine Rolle spielen: Während der trockenen Jahreszeit, die von einigen Forschern auch „Hungermonate“ genannt werden, kann ein Anstieg der Fälle beobachtet werden.
Ein weiterer Umstand erschwert das Zusammentragen von Daten: die meisten Opfer erliegen der Krankheit bevor sie ein Pflegezentrum erreichen können. Die Situation ist also noch viel schrecklicher, als sie zunächst erscheinen mag.
Die Stiftung Winds of Hope hat daher beschlossen, sich an der Finanzierung einer epidemiologischen Studie zu der Krankheit in Afrika zu beteiligen. Diese wird durch das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation für Afrika (WHO/Afro) durchgeführt. Die Ergebnisse liegen 2008 vor.
Karte der WHO zur weltweiten Verbreitung von Noma, September 2003
|
In ihren Tätigkeitsberichten beschreibt die WHO die bereits vorliegenden Ergebnisse einiger Forschungsarbeiten:
- Insgesamt sind rund ½ Million Kinder von Noma betroffen;
- Jedes Jahr erkranken mehr als 100’000 Kinder an Noma. Bei den Opfern handelt es sich fast ausschliesslich um Kinder zwischen 2 und 6 Jahren;
- 20’000 Kinder pro Jahr überleben Noma, leben danach jedoch im Verborgenen;
- Ohne medizinische Behandlung verläuft Noma in 70-90% der Fälle tödlich. Man geht von 80’000 Toten pro Jahr aus;
- Die ärmsten Länder in Afrika, Asien und Südamerika sind betroffen. Den afrikanischen Kontinent trifft es mit 80% der Fälle am härtesten;
- Heute ist Noma in zahlreichen afrikanischen Ländern endemisch und hat das Ausmass eines Problems der öffentlichen Gesundheit erreicht. Dies insbesondere in bestimmten Populationen in der Sahelzone, einer Region, die oft als „Noma Gürtel“ bezeichnet wird;
- Wie die meisten anderen Mund- und Zahnkrankheiten wird Noma in Afrika weiter zunehmen. Dies infolge einer allgemeinen Verschlechterung der Lebensbedingungen: Mangelernährung, schlechte Hygiene, HIV/AIDS, Konflikte, Korruption, etc.
|